Bindegewebsmassage

Kurs Bindegewebsmassage
Massage Singer Bonn

Theorie
Inhalt

Bindegewebsmassage
Anatomie

Reflexzonen
Strichführungen
Lymphdrainage Singer Bonn

Inhaltsverzeichnis    Kapitel 4 - 4.4

  • 4.1.1 Technik und Wirkung
  • 4.3.1 Konsistenz
  • 4.3.2 Volumen
  • 4.3.3 Verschieblichkeit
  • 4.4.1 Schmerzempfindung
4. Theorie der Bindegewebsmassage
4.1.1 Technik und Wirkung
(Verschiebe - Schichten; Zugreiz _ Subkutan und Interstitiell)
Anwendungsgebiet = Sehnen; Ursprung und Ansatz, Septen, Plattenränder usw
Tangential
Steil
Haften
Flach
arbeiten in der:
Tiefe
arbeiten:
Oberflächlich
Erst oberflächlich, dann tief arbeiten

Bindegewebszonen (BgZ) sind Areale der Unterhaut, in denen typische Veränderungen bei Funktionsstörungen und/oder Erkrankungen innerer Organsysteme sowie bei Gelenk- und weichteilrheumatischen Erkrankungen auftreten können. Wir sehen die Bindegewebszonen als Reflexzonen an.

Die Ursache einer Bindegewebszonen ist bis heute nicht nachgewiesen. Bührung hat im Zusammenhang mit der BgZ 1983 das pathophysiologische Prinzip einer Reflexdystrophie diskutiert.

Der Ausdehnungsbereich der Bindegewebszonen
In Bezug auf die Tiefe können die Unterhaut in ganzer Dicke und zusätzlich die angrenzenden Bereiche der Haut und der oberflächlichen Körperfaszie beteiligt sein. In Bezug auf die Fläche sehen wir eine weitgehende Übereinstimmung mit der Ausbreitung der Headschen Zone. Dabei können ein oder mehrere Segmente oder auch nur ein Segmentabschnitt betroffen sein. Hin und wieder besteht auch in einer Zone ein sog. Maximalpunkt, ein"Trigger point", der gelegentlich selbst zum Ausgangsort weiterer Störungen werden kann. Wir verstehen unter einem Maximalpunkt einen umschriebenen Punkt, der innerhalb der erhöht gespannten Unterhautregion eine weitere Spannungssteigerung tasten läßt. Wir kennen solche Punkte im Zusammenhang mit, der Blase, dem Leber-Gallensystem u.a.. Patienten empfinden an diesen Punkten Stechen, Kribbeln, Jucken und müssen sich scheuern und kratzen. Vielfach ist es auch ein "rheumatischer" Schmerz. Wenn gleichzeitig Hyperalgesie und Hyperästhesie der Haut bestehen, lösen geringste Reize durch Kälte, Wärme oder Berührung Schmerzen aus. Auf den Dehnungsreiz durch Bindegewebsmassage reagiert ein Maximalpunkt höchst empfindlich mit gesteigertem Schneidegefühl und muß gegebenenfalls längere Zeit ausgespart bleiben. Bis zum Abklingen braucht er in der Regel längere Zeit als die übrige Bindegewebszone. Aber auch die allgemeine Bindegewebszone kann mit zunehmender Veränderung der örtlichen Trophik zum Ausgangsort kutan-viszeraler Irritationen werden und somit einen Circulus vitiosus unterhalten.

Das Erscheinungsbild der Bindegewebszonen ist gekennzeichnet durch Elastizitätsverlust des Gewebes. Wir beurteilen Veränderungen von:

  • Konsistenz (Grad der Festigkeit)
  • Volumen
  • Verschieblichkeit
  • Schmerzempfindung
4.3.1 Konsistenz

Der Grad der Gewebsfestigkeit kann vermehrt oder vermindert sein. Bei vermehrter Festigkeit fühlt sich das Gewebe unelastisch an. Es ist wie eine derbe kompakte Masse, die in sich selbst nicht beweglich ist und sich nur en bloc verschieben läßt. Der Finger kann nur wenig oder gar nicht eindringen, und entsprechend schwer ist es als Falte zu fassen
Bei verminderter Festigkeit (Spannungsverlust) fühlt sich das Gewebe weich und schlaff an und bietet dem eindringenden Finger nur geringen Widerstand.

4.3.2 Volumen

Das veränderte Gewebsvolumen ist vielfach bereits sichtbar, weil es das individuelle Bild des Körperoberflächenreliefs in eindrucksvoller Weise verändern kann. Es kann vermehrt oder vermindert sein.
Vermindertes Volumen ist als Einziehung, vermehrtes Volumen als Quellung zu erkennen.
Bei Einziehungen scheint das Gewebe fest an die Unterlage angesogen sein. Nach Teirich-Leube sind die Einziehungen die den Organen, Gefäßen und Nerven direkt zugeordneten Reflexzonen, und sie bezeichnet sie als "Zonen erster Ordnung". Einziehungen können bandförmig, punktförmig und flächig sein.

Bei Quellungen erscheint das Gewebe vermehrt, aufgequollen, verdickt. Sie werden als "Zonen zweiter Ordnung" bezeichnet, die erst als Folge einer Einziehung an deren Rändern entstehen. Sie können oberhalb, unterhalb, rechts oder links neben der Einziehung liegen oder auch an mehreren Seiten gleichzeitig.

Es wird angenommen, daß spezifische Stoffwechselveränderungen im Bereich der Reflexzone eine Entquellung der Grundsubstanz bewirken und somit eine Einziehung entsteht. Randgebiete, die die verdrängte Flüssigkeit aufnehmen, lassen eine Quellung entstehen. Diese Quellungen sind nicht mechanisch zu beeinflussen, etwa durch ausdrückende Massage usw., sie werden nur mit dem Nachlassen der Spannung und der Einziehung geringer. Bei Patienten mit pyknischem Körperbau und prall gespanntem Unterhautgewebe sind Quellungen oft auffallender als Einziehungen. Da sie aber immer im Zusammenhang mit Einziehungen entstehen, müssen diese zur regelrechten Gewebsbeurteilung gesucht werden.

4.3.3 Verschieblichkeit

Die Verschieblichkeit der Unterhaut ist abhängig von ihrer Verhaftung mit den benachbarten Schichten; vermehrte Verhaftung erschwert die Verschieblichkeit - der Weg bis an die Verschiebegrenze ist gering - oder macht sie unmöglich. Bgz betreffen zwar die Unterhaut im ganzen, sie wirken sich aber am deutlichsten in den Verschiebeschichten aus, so daß diese für Diagnostik und Therapie von besonderer Bedeutung sind. Das Verschieben ist möglich:

  • zwischen Lederhaut und Unterhaut (der oberen Verschiebeschicht). Veränderungen in dieser Schicht bezeichnen wir als hautnahe Bindegewebszonen.
  • Zwischen Unterhaut und Faszie (in der tiefen Verschiebeschicht). Veränderungen in dieser Schicht bezeichnen wir als fasziennahe Bindegewebszonen.
  • An Faszien und Muskelränder - hier ist die gestörte Verschieblichkeit meistens mit einem Muskelhypertonus vergesellschaftet.

Zur Beurteilung von Verhaftungen in den Verschiebeschichten sind bestimmte physiologische Gegebenheiten zu berücksichtigen.

Die obere Verschiebeschicht ist beim Erwachsenen mehr oder weniger nur angedeutet, so daß kaum ein Verschieben möglich ist. Bindegewebszonen prägen sich deshalb hauptsächlich in der tiefen Verschiebeschicht aus. Nur bei akuten Krankheiten - wenn mehr oder weniger alle Schichten in Mitleidenschaft gezogen sind - und häufig noch geraume Zeit danach ist beim Erwachsenen die obere Verschiebeschicht beteiligt. Mit zunehmender Gesundung klingen die Zonen in dieser Schicht zuerst ab und sind nur noch in der Tiefe zwischen Unterhaut und Faszie mehr oder weniger deutlich ausgeprägt. Jeder Krankheitsrezidiv läßt sie wieder in der oberen Schicht entstehen. Bei Kindern bis zu Beginn der Pubertät ist dagegen die tiefe Verschiebeschicht noch wenig ausgeprägt, so daß sich Bindegewebszonen nur als hautnahe Zonen in der oberen Verschiebeschicht nachweisen lassen. Man nimmt an, daß die im Erwachsenenalter gut ausgeprägten Fettzellen die Verschieblichkeit der Unterhaut gegen die Faszie begünstigen. Im Kindesalter sind diese Strukturen noch im Werden. Das Fettgewebe ist kleinlappig und noch nicht auf Speicherung angelegt. Dadurch ist die tiefe Verschiebeschicht entsprechend geringer ausgebildet.

In der tiefen Verschiebeschicht ergeben sich Unterschiede im Grad der Verschieblichkeit durch:

  • individuelle Prägung abhängig vom Konstitutionstyp. Das Gewebe des schlankwüchsigen Leptosomen ist in der Regel weich, elastisch und eher arm an Fettgewebe und relativ gut verschieblich, Das Gewebe des rundwüchsigen Pyknikers hat mehr Flüssigkeits- und Fettgehalt und ist im Vergleich weniger gut verschieblich.
  • Lebensalter: Beim Säugling und Kleinkind ist das Körperoberflächengewebe noch sehr kompakt und nur mäßig verschieblich im Vergleich zum Erwachsenen (s.o.).
  • Geschlecht und hormonelle Einflüsse: Schwer verschieblich ist z.B. das Gewebe junger Mädchen mit "Pubertätsspeck".
  • Lebensweise: Übergewicht durch reichliche Nahrungsaufnahme und Bewegungsmangel können die Verschieblichkeit beeinträchtigen.
  • Körperregion: Gute Verschieblichkeit stellen wir im Bereich des Brustkorbes fest, weniger gute am Gesäß und über dem M. glutaeus maximus im Winkel zwischen Darmbeinkamm und Wirbelsäule - über dem M. erector spinae - sowie über Faszien- und Muskelrändern. Am geringsten ist sie im Bereich der Extremitäten und im Gesicht.
4.4.1 Schmerzempfindung

Während Haut- und besonders Muskelzonen häufig spontane Beschwerden machen, werden Bindegewebszonen ihrem Träger erst beim Durchtasten und Behandeln bewußt; z.B. beim Abheben einer Gewebsfalte fühlt der Patient einen deutlichen Unterschied zur gesunden Seite. Das Gefühl ist dumpf oder schmerzhaft ziehend in der Tiefe. Das Gewebe reagiert empfindlicher und lebhafter auf mechanische Reize und braucht längere Zeit bis zum Abklingen von Reaktionen. Besonders bewegungsempfindlich sind nach unserer Erfahrung fasziennahe Organzonen im Rumpfbereich. Wie von Muskelzonen bekannt, sind auch sie reizbar durch:

  • aktive Bewegung und Dehnlagerung benachbartet Muskeln;
  • Massageformen mit ausgiebigen Bewegungen wie Verwindungen, Schüttelungen, Walkungen u.a.

Sie reagieren mit örtlicher Spannungssteigerung und Verschlimmerung bestehender Organstörungen und Beschwerden, was durch Anwendung der Bindegewebsmassage und auch bei intensiven Muskelanspannungen (isometrischen Spannungen) nicht der Fall ist. Der Patient fühlt bei ihrer Anwendung in der Regel das typische "Schneiden".

In der Praxis begegnet uns überwiegend das Gewebsbild nach abgeklungener akuter Krankheit oder bei chronischer Erkrankung. Der Grad der Gewebsspannung ist mehr oder weniger erhöht, das Volumen verringert (Einziehung), die Verschieblichkeit der Unterhaut besonders gegen die Faszie ist stark eingeschränkt mit unterschiedlichem Schmerzempfinden bei Manipulation (bei der Bindegewebsmassage Schneidegefühl). Seltener finden wir den Grad der Gewebsspannung herabgesetzt, d.h. schlaffes Gewebe mit ausgesprochenem Spannungsverlust, das der Manipulation wenig Widerstand bietet, so daß eine Verschiebegrenze erst nach auffallend langem Weg erreicht wird. Veränderungen des Volumens und die Schmerzempfindung sind dabei relativ unauffällig. Wir finden dieses Bild bei Patienten in der Rekonvaleszenz nach schweren Allgemeinerkrankungen. Im Bereich von Becken und Hüften kann es im Spätwochenbett beobachtet werden, wenn die organische Rückbildung gestört oder verzögert ist. Bindegewebsmassage kann hier die Genesung wesentlich unterstützen.




Martina Singer staatl. gepr. Masseurin und med. Bademeisterin (Deutschland)
Lymphtherapeutin, Fussreflexzonentherapeutin, Fachreferentin
53225 Bonn, Johannesstr. 72, Tel. 0228 40 37 79 02
Massage Bonn => www.martina-singer.de